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Fackeln in Altensteig

1 . Quelle: Aus der Geschichte Altensteigs und seiner Stadtteile

An Heiligabend ziehen Jung und Alt von allen Seiten kommend zum Hällesberg. Wenn dann um sechs Uhr die Glocken den Heiligen Abend einläuten, werden die langen Fackeln und der Holzstoß angezündet und Weihnachtslieder angestimmt, begleitet von den Bläsern der Stadtkapelle. Erst wenn die Holzstöße abgebrannt sind, beginnt in den Familien die Bescherung.

Wann das Fackeln in Altensteig aufkam, ist nicht überliefert, es ist aber offenbar ein sehr alter Brauch, der ähnlich auch in anderen Orten - allerdings zu anderen Zeiten - gepflegt wird.

Früher sammelten die Schulbuben in der Stadt oder im Wald Holz und machten aus dürrem Holz, das sie mit Öl oder Pech beschmierten Fackeln. Am Heiligen Abend gingen die Knaben bei Einbruch der Nacht mit ihren Fackeln vom Annaberg oder dem Täle her zum Hällesberg. An drei Stellen (Sankt Anna Bergler, Viehmärktler und Tälemer) wurden mächtige Holzstöße entzündet und beim Schwingen der Fackeln schallen Weihnachtslieder aus der Höhe. Der ganze Berg erstrahlt im funkelnden Glanz.

Heute bekommen die Fackler ihr Holz aus dem Stadtwald oder als Abbruchholz. Ab September wird das Holz geschlitzt und zum Trocknen im Fackelschopf gelagert. Am Tag vor Heiligabend werden die Scheite auf Lastwagen geladen und zum Fackelplatz transportiert. Am Morgen des Heiligen Abends werden sie dann fachgerecht zum Fackelhaufen aufgesetzt. Nach dem Gottesdienst, pünktlich um 18 Uhr wenn die Kirchenglocken zu läuten beginnen, wird der Holzstoß entzündet und danach die Fackeln, die man hin und her schwenkt. Erst nachdem der Holzstoß in sich zusammengesackt ist geht man nach Hause zur Bescherung.

2. Quelle: Homepage der Stadt Altensteig

Das Altensteiger Weihnachtsfackeln ist ein historischer Brauch, der jedes Jahr am Heiligen Abend Tausende in das historische Städtchen im oberen Nagoldtal lockt.

Das alte Brauchtum ist in unserer reizvollen Stadt zu einer Attraktion für Besucher aus Nah und Fern geworden.

Hoch über der Stadt, auf dem Hällesberg und dem Schloßberg, versammeln sich am Heiligen Abend um 18.00 Uhr Einheimische und Gäste, um mit bis zu 12 Meter großen Feuern und Hunderten von Handfackeln sinnbildlich die Geburt Christi zu feiern.

Der Brauch soll jedoch seinen Ursprung bei den heidnischen Kelten haben, die mit dem Feuer die Wintersonnwende feierten. Diese keltische Tradition soll dem Erwachen der Natur nach der Winterstarre und der Sicherung der Fruchtbarkeit der Felder gedient haben. "Die Menschen und die Häuser, die vom Schein des Feuers getroffen werden, sind im kommenden Jahr von Krankheit und Unglück, auch vor Feuersgefahr geschützt," so der Historiker Alfred Weinauer in seinem Buch "Keltisches Erbe".

Über das weihnachtliche Fackeln in Altensteig am Heiligen Abend auf dem Hällesberg ist im 20. Jahrhundert schon oft geschrieben worden. Die älteste, schriftliche Schilderung ist in der Oberamtsbeschreibung Nagold von 1862 zu finden:

"Von Volksfesten und Volksspielen ist anzuführen,dass in Altensteig am Christabend die Schuljugend mit brennenden Fackeln den der Stadt gegenüber gelegenen Berghang hinanzieht bis zu dem Schloßberg, was von der Stadt aus einem schönen Anblick gewährt."

Früher gab es drei Fackelplätze in Altensteig.

(1) Für die Sankt Anna Bergler, heute die Tannenbergler und die Oberstädtler auf der Platte mit dem heutigen Musikpavillon,

(2) für die Viehmärktler, die rund um den Marktplatz wohnten, weiter oben in der Mitte des Hällesberges und

(3) für die Tälemer beim Schloßberg.

Wegen der Flurbereinigung und dem 1. Weltkrieg sind nur die beiden letzten Plätze heute noch gültig.

Am Morgen des Heiligen Abends bauen die Fackler ihre riesigen Holzstöße auf. Das sachgemäße Aufsetzen des Holzes verlangt viel Erfahrung und Sachverstand. Der Holzstoß soll ja so lange wie möglich stehen bleiben und so seinen Schein über das Nagoldtal ausstrahlen. Die Fackler rüsten sich mit selbstgebauten Riesenfackeln. Geschlitzes Spreißenholz wird zu bis zu 5 Meter langen Bündeln zusammengeschnürt. Nach dem Gottesdienst geht es dann los. Beim Glockengeläut um 18.00 Uhr werden die Holzstöße entzündet. Sobald der Haufen brennt, werden an ihm die traditionellen "Fackeln" entzündet.

In größerem Abstand stellen die Fackler sich dann neben- und hintereinander auf den steilen Hangwiesen auf und schwenken die von der Spitze her brennenden Bündel. Auch immer mehr Wachsfackeln werden entzündet, bis ein riesiges wogendes Lichtermeer auch den letzten Zuschauer in weihnachtliche Stimmung versetzt.

Heimlicher Sieger ist die Fackel -"Gilde", deren Fackelstoß länger steht, oder besser gesagt, "verloren" hat derjenige dessen Fackelstoß als erstes zusammenfällt. Dies ist aber mehr sportlich anzusehen.

Während die Fackler früher bei der Holzbeschaffung schon einmal das ein oder andere Holzstück "mitgehen ließen", stellt heutzutage die Stadt Altensteig das Brennmaterial zur Verfügung.

Die enorme Hitze der Fackelstöße sorgt dafür, daß die Besucher automatisch einen Sicherheitsabstand zum Feuer einhalten.